Also besteht irgendwo bei uns selbst eine Möglichkeit, Schaden zu erleiden. Es wird uns der Rat erteilt, nicht prüfend auf den andern zu schauen, sondern uns selbst unter die Lupe zu nehmen. Ein Bibelwort: „Darum, wer sich lässt dünken, er stehe, mag wohl zusehen, dass er nicht falle“ (1.Kor. 10,12).
Wir wollen einige Gefahren betrachten, denen ein Prediger besonders ausgesetzt ist:
1. Die Gefahr, die wahre Demut zu verlieren.
Diese Gefahr ist größer, als wir denken; ihr sind schon viele zum Opfer gefallen. Der Teufel wird dahin arbeiten, dass wir eine falsche Demut annehmen, denn er weiß, das geschrieben steht: „Denn Gott widersteht den Hoffärtigen, aber den Demütigen gibt er Gnade“ (1.Petr. 5,5b).
a. Die falsche Demut –
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Sie beruht auf Einbildung; man hält sich für sehr demütig und ist es nicht;
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Sie beruht auf Täuschung: Andere sollen sehen, wie demütig wir sind;
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Sie ist menschliches Machwerk, eine gekünstelte Demut.
Illustration: Jemand ließ ein Familienbild machen, auf dem er sehr demütig erscheinen wollte; und das Bild war eine unnatürliche Wiedergabe seiner Person.
b. Die wahre Demut –
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Ist das Resultat der Arbeit des Heiligen Geistes;
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Ist eine Gott wohlgefällige Herzensstellung;
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Ist der Schmuck einer geheiligten Seele.
c. Falsche Demut hat die Tendenz, nach oben zu streben, und wahre Demut – nach unten.
Illustration: Was leicht ist, schwimmt immer nach oben; was schwer ist, zieht nach unten.
Wahre Demut hält den Menschen an seinem Platz – er ist nicht überheblich, großtuerisch und bemüht sich nicht, die eigene Person ins Licht zu rücken.
Falsche Demut sucht ihren Weg; andere, die im Wege sind, werden irgendwie herabgesetzt, um selbst hochzukommen und zu glänzen – und wenn es mit dem Schein der Demut geschieht.
2. Die Gefahr, den Rat anderer Brüder nicht zu beachten.
a. Das meint, von sich höher zu halten als sich’s gebührt. Das sind die Besserwisser. Doch der Krug geht solange zum Brunnen, bis er zerbricht. Das kommt über kurz oder lang.
b. Wovon zeugt das? Irgend etwas stimmt da nicht im Herzen, es ist ein Defekt.
c. Die Reaktion: Statt dankbar zu sein, lehnt man ab und der ehrliche Ermahner wird als Gegner gestempelt, der nur Kritik übt. Kritik aber ist gut, wenn sie aus reinen Absichten kommt.
Habe einmal acht auf dich selbst!
3. Die Gefahr, den richtigen Maßstab zu verlieren.
Paulus sagte: „Denn wir wagen uns nicht unter die zu rechnen oder zu zählen, so sich selbst loben, aber dieweil sie sich an sich selbst messen und halten allein von sich selbst, verstehen sie nichts“ (2.Kor. 10,12).
Zwei Dinge sind es, die hier aufgezählt werden:
a. Sich selbst loben.
Illustration: An einem Ort war Lagerversammlung. Die Brüder hatten schon eine gute Vorarbeit getan und dann kam noch ein Predigerbruder als Nachzügler. Man bat ihn, die nächste Predigt zu halten. Es kamen Seelen nach vorn und nachher sagte er:
„Ist doch gut, dass ich noch gekommen bin!“ – Er schrieb allen Erfolg sich zu, er lobte sich.
Wie gebe ich Bericht? Geschieht es, dass die andern sehen sollen, wie tüchtig ich bin, oder verherrliche ich Christus?
b. Die eigene Person als Maßstab.
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Die andern werden mit der eigenen Person verglichen, und dabei kommen die andern immer ins Hintertreffen. Stellung: Was ich geleistet habe, hat bisher keiner erreicht. Noch nie hat die Gemeinde so gestanden, wie sie jetzt steht; denn ich stehe ihr vor. – Ob die Predigerbrüder gerade bei diesem Mann nicht einen großen Mangel sehen? Was sagt Gottes Wort? „Was hast du aber, das du nicht empfangen hast? So du es aber empfangen hast, was rühmst du dich denn, als ob du es nicht empfangen hättest?“ (1.Kor. 4,7).
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Tun, als ob man allein Gottes Sache aufgebaut hat. Was hätten wir getan, wenn andere nicht vorgearbeitet hätten? Verachte nicht, was dein Bruder vor dir aufgebaut hat. Ohne seine Mühe und Arbeit wärst du gar nicht in der Lage weiterzuarbeiten. Sei versichert, dein Nachfolger wird auch an deiner „guten“ Arbeit Mängel und Fehler finden. Darum sei vorsichtig, lobe dich nicht, wie tüchtig du bist; das kann alles zerstäuben wie eine Seifenblase. Das ist ein Zeichen der eigenen Überschätzung und Gott wird mit dir tiefe Wege gehen oder – dich fallen lassen, wenn du nicht zurückfindest zur wahren Demut.
Schluss
Nimm dir Christus als Vorbild und habe acht auf dich selbst!